Reis



Fair gehandelter Reis

Reis (botanisch Oryza sativa) ist eine der ältesten Kulturpflanzen. Er wird seit etwa 7000 Jahren vom Menschen angebaut. Das Ursprungsgebiet des Reisanbaus liegt in Asien, vermutlich in dem heutigen Südchina. Von dort aus verbreitete sich die Getreideart zunächst im asiatischen Raum. Durch den Indienfeldzug Alexanders des Großen kam der Reis auch in den Nahen Osten und ins sonstige Mittelmeergebiet. Von dort eroberte er den afrikanischen Kontinent und mit der Entdeckung Amerikas wurde er auch dort eingeführt. Da Reis eine sehr anpassungsfähige Pflanze ist, findet man diese Kulturpflanze sowohl auf Meereshöhe als auch in Lagen bis 2500 m über dem Meeresspiegel. Er verträgt Hitze und Kälte, wächst in sumpfiger Umgebung, in Wasserbeeten als auch auf dem Trockenen; er passt in fast jedes Klima.

Faszinierend ist auch die außergewöhnliche Biodiversität der Pflanze: Weltweit gibt es derzeit ca. 80.000 Sorten aus 113 Ländern der Erde. Diese Sorten werden im Internationalen Reisforschungsinstitut IRRI (International Rice Research Institute) auf den Philippinen aufbewahrt. Im Anbau sind nach der sogenannten "Grünen Revolution" jedoch nur noch wenige Hochertragssorten; die alten Sorten verlieren leider mehr und mehr an Bedeutung.

Jeder dritte Mensch auf unserer Erde verzehrt jeden Tag Reis. Er ist weltweit betrachtet die wichtigste Nahrungspflanze, dicht gefolgt von Weizen und Mais. Für 50 % der Menschen ist Reis das Grundnahrungsmittel. Haupterzeuger und -verbraucher sind dabei die asiatischen Länder, insbesondere China, Indien, Indonesien, Bangladesh, Vietnam und Thailand. Hier werden 92 % der Weltreisernte produziert. Auch in der EU wird Italien, Spanien, Portugal, Frankreich und Griechenland Reis angebaut, aber nur in geringem Umfang.

Eigentlich ist Reis eine Sumpfpflanze.Ursprünglich wurde er vor allem in Flussdeltas und auf Schwemmland angebaut. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten die Reisbauern den sogenannten Nassbau. Hier wird das Feld überstaut oder mit regulierter Bewässerung mit Wasser versorgt. Eine weitere Methode ist der sogenannte Trockenanbau, der insbesondere in Afrika und Südamerika vorherrscht. Hier wird der Wasserbedarf der Reispflanze allein durch die Niederschläge gedeckt. Der Trockenbau spielt jedoch mit 13 % nur eine untergeordnete Rolle.

Durch die ständig steigenden Bevölkerungszahlen wurde das Grundnahrungsmittel Reis in vielen Ländern immer knapper. Im Rahmen der Grünen Revolution in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das künstliche Bewässerungswesen mit Hilfe moderner Technologie weiterentwickelt und ausgedehnt. Zudem wurden speziell gezüchtete Hochleistungssorten, Mineraldünger und Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Dies erhöhte in der Anfangszeit die Erträge enorm.

Nach und nach zeigen sich jedoch die sozialen und ökologischen Folgen dieser veränderten Landwirtschaft: Bewässerung, neues Saatgut, Dünger und Pestizide machen den Anbau teuer; da die Kleinbauer das Geld nicht haben, verschulden sie sich bei Großgrundbesitzern, Banken und Reisaufkäufern und werden so von diesen abhängig. Die oft viel zu hohen Zinsen treiben viele Familien in den Ruin und zwingen sie, ihr Land zu verkaufen. Mineraldünger und Pestizide machen die gleichzeitige Fischzucht in den gefluteten Reisfeldern unmöglich und gefährden zudem die Gesundheit der Bauern, die sich über die Gefährlichkeit der Mittel nicht im Klaren sind. Das Grundwasser, oft belastet durch Düngerrückstände und Pestizide, wird immer knapper, da die Bewässerung bzw. Überflutung der Felder enorme Wassermengen schluckt (für 1 kg Reis im Nassanbau benötigt man 5000 l Wasser!). Die Erde laugt aus und versalzt. Pestizide greifen zudem massiv in die Ökosysteme ein und führen mancherorts zu großen Schäden in der Umwelt (z. B. zum fast völligen Verschwinden von bestimmten Pflanzen- und Tierarten). Krankheiten, Schädlinge und Unkräuter werden gegen die Pestizide resistent. Außerdem entweicht aus den überfluteten Reisfeldern Methangas, das mit für den Treibhauseffekt verantwortlich ist. All dies führte auch dazu, dass die Erträge immer mehr sinken. Nach dem spektakulären Ansteigen sind sie in der Zwischenzeit wieder um 30 % gefallen.

Als Ausweg aus dieser Misere sehen die Anhänger der modernen Landwirtschaft, allen voran das IRRI sowie die großen Agrochemie- und Saatgutkonzerne, die Gentechnik. Andere Stimmen hingegen - sowohl einige Wissenschaftler als auch Bauernorganisationen - warnen vor dem Einsatz der "Grünen Gentechnik" im Reisanbau. Vielmehr wollen sie eine Rückbesinnung auf traditionelle Anbaumethoden wie Mischkulturen, Fruchtwechsel, Gründüngung, Verwendung der alten, robusten Landsorten bzw. einen ökologischen Reisanbau.

Diesen Weg favorisieren auch die Organisationen des fairen Handels. Durch den Aufpreis gegenüber normal gehandeltem Reis soll sichergestellt werden, dass die Reisbauern nicht in die Abhängigkeit von Zinswucherern und der Agrochemie geraten bzw. sich daraus wieder befreien können. Durch das erwirtschaftete Geld sollen die Kooperation der Anbauer, soziale Projekte und der umweltgerechte Anbau gefördert werden. Wenn die Reisanbauer beispielsweise durch faire Kredite in einer gemeinschaftlich betriebenen Mühle den Reis selbst entspelzen, polieren und vermarkten können, erzielen sie wesentlich höhere Verkaufserlöse. Dies macht sie außerdem unabhängig von Zwischenhändlern, die ansonsten die Preise diktieren und Kredite zu Wucherzinsen verleihen.

Die Fairhandelsorganisation "gepa", von der auch der Weltladen Alsfeld seine rodukte bezieht, bekommt den Reis u. a. aus Indien. Dort unterstützt die Navdanya-Stiftung in Dehra Dun indische Bauern beim Anbau und bei der Vermarktung von Basmati-Reis. Die 1991 von der Trägerin des alternativen Nobelpreises Vandana Shiva gegründete Organisation setzt sich für den Erhalt traditioneller Reissorten und damit für die Bewahrung der Artenvielfalt ein. Deshalb heißt die Organisation "Navdanya", denn der Name heißt in der indischen Amtssprache Hindi "Neun Samen". Navdanya engagiert sich darüber hinaus weltweit gegen die genetische Veränderung von Saatgut und Pflanzen. Ebenso fordert die indische Organisation ein Verbot der Patentierung von lebenden Organismen wie zum Beispiel Pflanzen.

Die texanische Firma RiceTec hat ein Gen der traditionellen indischen Reissorte Basmati verändert und hat sich diese geringfügig veränderte Sorte als "Basmati-Reis" in den USA schützen lassen. Damit besitzt RiceTec das Patent für Basmati-Reis in den USA. Inzwischen wächst bereits der Pseudo-Basmati-Reis dieser Firma in den USA. Das kann gravierende Auswirkungen auf die indischen Reisbauern haben, denn der Basmati-Reis ist ein wichtiges Exportgut Indiens. Allein 1997 erwirtschaftete das Land damit einen Erlös von 500 Millionen Dollar, denn circa zehn Prozent des exportierten Basmati-Reises gehen in die USA. Deshalb bedroht das Patent von RiceTec die Lebensgrundlage indischer Bauernfamilien. Der landesweite Protest gegen die Patentierung des Basmati-Reises wurde wesentlich von Navdanya-Mitgliedern organisiert und getragen.

Wollten die indischen Reisbauern dann trotzdem noch Basmati-Reis in die USA exportieren, dann müßten sie eine Lizenzgebühr an RiceTec bezahlen, weil sie eine von der Firma dort patentierte Reissorte vertreiben wollen. Bei all dem spielt es keine Rolle, daß die Bauern seit vielen Generationen Basmati-Reis in Indien anbauen und das Land, neben Pakistan, als die Heimat dieser erlesenen Reissorte gilt. Dies alles nennt Vandana Shiva von Navdanya zurecht "Bio-Piraterie" und fordert zum Beispiel von der Welthandelsorganisation (WTO) und der Europäischen Gemeinschaft Regelungen, die dies nicht zuläßt. Navdanya unterstützt zum Beispiel Kleinbauern in verschiedenen Regionen Indiens dabei, eigene Saatgutbanken anzulegen, in denen die traditionellen Sorten aufbewahrt werden, die den jeweiligen klimatischen Bedingungen am besten entsprechen.

Doch der Ansatz von Navdanya geht noch weiter: Sie fordern eine "Lebendige Demokratie" in ihrem Land. Dabei knüpft Navdanya an die indische Tradition der Dorfräte an, die alle Fragen des Gemeinwesens geregelt haben. Dazu gehört ebenfalls, dass in der Gemeinde selbst entschieden wird, welches Saatgut bis zur nächsten Aussaat aufgehoben wird, und nicht das Saatgutunternehmen das Sagen hat. Inzwischen sind einige dieser Firmen dazu übergegangen, teils Saatgut zu verkaufen, das nur einmal keimt und nicht zur erneuten Aussaat geeignet ist. Dies widerspricht der Praxis und dem Selbstbestimmungsrecht der Bäuerinnen und Bauern.

Für die Bewahrung der Artenvielfalt in der Landwirtschaft spielen die Frauen für Navdanya eine zentrale Rolle. Denn wie in vielen asiatischen Ländern bewahren die Frauen auch in Indien üblicherweise die Samenkörner auf, die im nächsten Jahr ausgesät werden.

Die Navdanya-Stiftung praktiziert ebenfalls eine Alternative zur herkömmlichen Vermarktung des Reises. So betreibt Navdanya einen eigenen Laden in der Hauptstadt Neu Delhi, in denen die Produkte der Mitgliedsbauern angeboten werden. Sowohl indische Konsument/innen als auch Produzent/innen sind Mitglied der Navdanya-Stiftung.

Angebaut wird der Basmati-Reis von Bäuerinnen und Bauern im Tal von Dehra Dun. Die gleichnamige Stadt liegt im Norden Indiens, etwa 400 Kilometer von der Hauptstadt Neu-Delhi entfernt. Rund 1.000 Bauern haben sich landesweit der Navdanya-Stiftung angeschlossen, davon mehr als 100 in Dehra Dun selbst, die Basmati-Reis anbauen. Von der dortigen Navdanya-Versuchsfarm erhalten die Bauern das Saatgut, bis zu fünf Kilogramm kostenlos, wenn sie nach der Ernte die doppelte Menge an zwei Bauern in der Nachbarschaft weitergeben. Oder sie geben Navdanya später 6,25 Kilogramm Reis zurück.
Die Bauern haben kleine Parzellen, auf denen die Familien Reis anbauen. Dies ist eine sehr harte Arbeit: von der Aussaat bis zur Ernte. Ende Mai säen die Bauern den Reis aus. Danach wässern sie das Feld, bis der Monsun Ende Juni oder Anfang Juli in Dehra Dun einsetzt. Wenn der Monsun pünktlich kommt, dann werden die inzwischen 30 Zentimeter großen Reispflanzen spätestens Anfang Juli von den Frauen per Hand versetzt. Davor pflügen die Männer das Feld mit dem Ochsengespann. Geerntet wird der Basmati-Reis schließlich im November, von Hand mit der Sichel.

Als "Königin des Duftes" wird der Basmati-Reis in seiner indischen Heimat bezeichnet. Der gepa Basmati-Reis ist eine Spezialität für Feinschmecker. In Indien erzielt der Basmati-Reis aus Dehra Dun die höchsten Preise, weil er dort zu speziellen Gerichten verwendet oder zu Festessen sehr geschätzt wird.

Der gepa Basmati ist "teilgeschliffen", das heißt nach dem Dreschen der Reisgarben werden die Körner in einem Mörser gestampft und damit geschliffen. Dabei wird das Silberhäutchen, das den Mehlkörper umschließt, nur teilweise entfernt. Zwar sind in dem Häutchen Mineralstoffe und Vitamine enthalten, die im teilgeschliffenen Reis nicht mehr vollständig enthalten sind. Doch zugleich wird der Reis durch das teilweise Entfernen des Silberhäutchens haltbarer, da so dem Reis Fett entzogen wird, das nicht mehr ranzig werden kann. So ist der gepa Basmati "teilgeschliffen" ein guter Kompromiß zum weißen Reis, er ist lagerfähiger als Naturreis und ein Teil der wichtigen Stoffe bleibt erhalten. Zudem duftet der Basmati-Reis erst nach dem Schleifen. Mit dem Export des Basmati-Reises hat Navdanya die Firma Celestia beauftragt, da Navdanya als Stiftung in Indien keine Exportgenehmigung erhält. Die gepa bietet seit 1999 Basmati-Reis von der Navdanya-Stiftung in Deutschland an.

Kleine Reiskunde

Nassbau: Anbau des Reises in überfluteten bzw. bewässerten Feldern (ca. 87 % des ges. Anbaus)

Trockenbau: Anbau auf nicht gefluteten Feldern; häufig in Hochlagen Afrikas und Südamerikas

Langkorn/Rundkorn: Langkornreis ist hart und glasig, bis 7 mm lang; Rundkornreis eher kugelig und hat einen weichen Kern (für Milchreis und Risotto wichtig)

Vollwertreis: Enthält noch das sog. Silberhäutchen ums Korn, das neben Vitaminen und Mineralstoffen auch Fette enthält. Ist für die Ernährung wertvoller als Weißreis, dem das Silberhäutchen nach dem Dreschen weggeschliffen wurde. Wegen der Fette, die ranzig werden können, jedoch schlechtere Haltbarkeit.

Teilgeschliffener Reis: Silberhäutchen wird nur zum Teil weggeschliffen; Kompromiss zwischen Haltbarkeit und Erhaltung wertvoller Inhaltsstoffe

Duftreis: Reissorten, die von Natur aus besonders gut riechen, z. B. Hom Mati ("Yasmin-Reis") aus Thailand oder Basmati-Reis aus Indien

"Parboiled": Der Reis wird hier noch in der Strohhülse mit Wasserdampf behandelt. Durch diese Behandlung klebt der Reis beim Kochen nicht mehr zusammen.

Wildreis: Keine wildwachsende Reissorte, sondern die Samen eines Wassergrases, welche indianische Sammler vom Boot aus auf kanadischen Seen ernten

Lila Reis: Spezielle Sorte in Laos, die sich durch das Kochen lila verfärbt.




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