Orangensaft



Orangen sind in unseren Breiten zur alltäglichen Selbstverständlichkeit geworden. Die Vitaminspender aus fernen Ländern, zumindest aus den südlichsten Teilen Europas, aber auch von weiter her aus der Dritten Welt, sind zum Teil billiger zu haben als heimische Äpfel. Obwohl sich EU-Landwirte aus den Mittelmeerländern gegen größere Importe von außerhalb zu schützen versuchen, gelangen riesige Mengen von Orangen aus Asien, Afrika und Lateinamerika nach Europa. Schier unstillbar ist der Durst nach Orangensaft! Es wird als tiefgefrorenes Saftkonzentrat vor allem aus Brasilien importiert. Im Konsum von Orangensaft ist Deutschland mit 21 Litern pro Kopf und Jahr Weltspitze.

Während bei uns durch die Orangenvitamine die Gesundheit gefördert wird, sieht es auf der anderen Seite der Welthalbkugel ganz anders aus. Auf Brasiliens Plantagen sind mehr als 25 % der Pflückerinnen und Pflücker Kinder. 60 % von ihnen arbeiten mehr als 40 Stunden wöchentlich. 60 Kisten, jede 20 bis 30 Kilo schwer, schleppen sie zu den Sammelplätzen. Die alltäglichen Sorgen: die Last der vollen Kisten, die Müdigkeit, die Bienenschwärme, die sie im Geäst aufscheuchen und die Schlangen im hohen Gras.

Wenn das Überleben der Familie erst durch die Mitarbeit der Kinder mehr schlecht als recht gewährleistet ist, haben die Eltern keine Wahl. Die Lage im Herkunftsland Brasilien verschlechtert sich zusehends: da der Weltmarktpreis immer mehr fällt, ist der eigene Orangenanbau für viele Bauernfamilien nicht mehr lukrativ. Sie wandern ab auf die Plantagen, dort erhalten sie einen Hungerlohn. Dabei können die Kinder noch besser ausgebeutet werden.

Entwicklungspolitische Nicht-Regierungsorganisationen in Deutschland gründeten 1996 den Arbeitskreis Kinderarbeit und Orangensaft (AKO). Sie sprechen viel mit brasilianischen Partnerorganisationen ab. Ihre Ziele sind die Anregung und Förderung von Produzentengenossenschaften, das Ersetzen ausbeuterischer Kinderarbeit durch Schulausbildung und die Veränderung der Konsumgewohnheiten in Europa in Richtung fairer Handel. Durch höheres Einkommen und kontinuierliche Abnahme gewährleisten sie für die Bauernfamilien ein Leben in Würde.


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